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Ausstellung / Andere Kulturen
Samstag, 12.06.21, 11:00 Uhr

Lebenslinien

Letzten Frühling war es plötzlich vorbei mit dem Schulunterricht. Doch ein paar Jugendliche wollten weiterforschen zu ihren Lebenswegen, die in die Schweiz führten «Lebenslinien» heisst ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt mit offenem Ausgang. Im Mittelpunkt stehen die Biographien einiger junger Menschen, die in den vergangenen Jahren als Flüchtlinge in die Schweiz gekommen sind und heute hier zur Schule gehen. Die Ausstellung folgt den verschlungenen Pfaden ihrer Reise, begnügt sich aber nicht mit der blossen Nacherzählung individueller Schicksale. «Lebenslinien» ist eine kartografische Übung, parallel zum offiziellen Lernstoff. Die Schüler_innen vermessen das reale und imaginäre Terrain, das sie durchquert haben: Kriegsschauplätze im Nahen Osten oder in Afghanistan, Grenzräume (doch nicht nur physische Grenzen wie Mauern und Zäune, sondern auch Grenzen des Vorstellungsvermögens). Zur Reiseerfahrung gehören ausserdem Begegnungen: mit Menschenschmugglern, humanitären Helfer_innen, mit Leuten, die mit all dem nichts zu tun haben wollen, und anderen mehr. «Lebenslinien» ist eine Frucht des Lockdowns. Als im März die Schulen schliessen mussten, wollten die Schüler_innen die relative Isolation nicht akzeptieren. Sie wendeten sich an ihren Lehrer, den Schweizer Künstler Walter Riedweg, der die «Integrationsklasse» in Volketswil unterrichtet. So entstand die Idee, der Frage «Wo kommen wir her?» gemeinsam nachzugehen. Riedweg wiederum wandte sich an das Johann Jacobs Museum, um der Recherche und Aufbereitung der «Lebenslinien», die online und in Zoom-Konferenzen erfolgt, eine kuratorische Plattform zu geben: im analogen Raum. «Lebenslinien» besteht aus Bildern und Musik, aus Erinnerungen, Tönen und Gerüchen, aus Gesprächen mit Freunden, Eltern oder Grosseltern, aber auch aus Fiktionen, Wünschen und Phantasien, die über die Laufzeit (von November bis April 2021) gesammelt, zusammengestellt und verwoben werden. Dazu treten Werke zeitgenössischer Künstler_innen, wie Ai Weiwei, Maja Bajevic, Giulio Bensasson, Ishita Chakraborty, Axel Crettenand und anderen, die von der Begegnung zwischen dem (kleinen) Individuum und der (grossen) Geschichte handeln, sowie ein Beitrag über Ibn Battutah, den legendären arabischen Entdeckungsreisenden des 14. Jahrhunderts, der das Kunststück vollbrachte Geschichte zu schreiben, während er Geschichte «machte». Das Schüler_innenprojekt von Dias & Riedweg trägt den Titel «weg-zurück-da»; die Ausstellung «Lebenslinien» wird kuratiert von Francesca Ceccherini und Roger M. Buergel, und vom Istituto Italiano di Cultura Zurigo unterstützt.

Veranstaltungsort

Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
8034 Zürich
office@johannjacobs.com